Zum 20. Mal findet die alljährliche Konferenz des International Forums for Visual Practioners (IFVP) statt. Diesmal mitten in Texas, in der Musik- und Kreativitätshochburg Austin.

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Über 150 Teilnehmer aus der ganzen Welt treffen sich, um in verschiedenen Formaten sich den Status Quo der Visuellen Arbeit zu erfahren und zu diskutieren. Letztes Jahr fand die Konferenz unter dem Namen „EuViz“ in Berlin statt.

Und auch dieses Mal sind auch viele Größen der visuellen Praktiker vor Ort, allen voran David Sibbet (der „Erfinder“ des Graphic Recordings) und Dan Roam, der mit seinem Buch „Auf der Serviette erklärt“ einen Bestseller geschrieben hat.

Tag Eins: Mittwoch, 15. Juli
Los gings zwar am Dienstag schon mit den ersten Pre-Conference Workshops – der offizielle Start war aber am Mittwoch mit der „New Member Orientation“, auf der das IFVP vorgestellt wurde und niemand geringeres als David Sibbet selbst die Geschichte des Visual Facilications erzählte. Von den Anfängen in den Siebziger Jahren bis heute. Er sieht vor allem eine enge Verknüpfung von klassischen Graphic Design, Data Visualization, Visual Facilitation welches sich zunehmend mit Conceptual Visualization, also neurowissenschaftlich basierten Aufbau von Informationsgestaltung vermengen wird.

Anschließend sprach der Futurist Joel Garreau über „Radical Evolution – The Future of what it means to be human“ über zukünftige Entwicklungen in den Bereichen Genetik, Robotics, Informationstechnologie und Nanotechnologien und wie diese die menschliche Evolution beeinflussen. Wir befinden uns gerade in einem dieser „Holy Shit“ – Moments in der menschlichen Entwicklung, in der sich alles davor da gewesene grundsätzlich verändern wird.

Der Futurist Joel Garreau

Der Futurist Joel Garreau

Graphic Recording Ikone Anthony Weeks

Graphic Recording Ikone Anthony Weeks

Brandy Agerbeck live bei der Arbeit

Brandy Agerbeck live bei der Arbeit

Am Nachmittag gab es Parallel-Sessions zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel „Business Basics“, „Business Success“ oder „Basics of Lettering“. Ich besuchte den Workshop von Jill Greenbaum „Step into a Stellar Presenter“ und lernte wie man mit den Elementen Vision, derm Wissen über verschiedenePerönlichkeitstypen, individuelle Lernstile, Präsentationsdesign und Auswertung in 5-Sterne-Qualität Inhalte vermitteln kann.

Jill Greenbaum

Jill Greenbaum

Nach einer weiteren offenen Runde im Plenum wurde noch ein Gruppenfoto mit allen Teilnehmer_innen gemacht und alle in den freien Abend entlassen.

Der ganze Tag wurde von vielen Live-Recordings begleitet und auch insgesamt ist der Rahmen mit einer Vielzahl von vielen tollen und beeindruckenden Postern und Bildern gestaltet. Wenn man keine Lust auf Programm hat, kann man sich auf an Material- und Bücherständen neue Inspiration für die zukünftige Arbeit holen.

Die Bildergalerie wächst und gedeiht...

Die Bildergalerie wächst und gedeiht…

Der Stifthändler Guido Neuland

Der Stifthändler Guido Neuland

Die Stimmung ist wieder mal super – freue mich auf den nächsten Tag und das Bier in der nächsten Country-Bar!

Tag Zwei: Donnerstag, 16. Juli
Der Tag wurde von der Moderatorin Julie Gieseke eröffnet, bevor es mit dem ersten offiziellen Programmpunkt losging: ein Panel-Talk zum Thema „Die Ästhetik und Ethik von visuellem Storytelling“. Die Graphic Recorder Liisa Sorsa, Kelvy Bird und Anthony Weeks stellten Ihre Ansätze und Erfahrungen vor.

Liisa Sorsa, Anthony Weeks und Kelvy Bird

Liisa Sorsa, Anthony Weeks und Kelvy Bird

Graphic Recording von Liisa Sorsa

Graphic Recording von Liisa Sorsa

Gleich zu Anfang sagte Anthony, das Daten ohne eine Geschichte einfach nur Daten sind und stellte damit die Wichtigkeit von Geschichten heraus. Die drei hatten verschiedene Ansätze wie Sie Storytelling in Ihre Arbeit integrieren – vom direkten Mitzeichnen zum spirituellen „wirken lassen“. Gerade für letzteres zeigte Kelvy Bird beeindruckende Beispiele. Sie stellte ein Modell vor, in dem sie Graphic Recording mit einem Eisberg verglich. Oben auf der Oberfläche geht es vorwiegend um Fakten, je weiter man aber in die Tiefe geht, desto mehr kommen Verhalten, mentale Modelle und Visionen zum Vorschein.

Kelvy Birds adaptiertes Eisberg Modell

Kelvy Birds adaptiertes Eisberg Modell

Ein großer Diskussionspunkt war auch die Frage wie mit Platz umgegangen wird – muss man wirklich alles festhalten, oder lässt gerade unbeschriebener Raum Platz für mehr Gedanken. Und es ging noch weiter: was ist den eingentlich „Inhalt„? Anthony Weeks sagte, dass es für Ihn bei Inhalt nicht nur um Text gehe, sondern auch um räumliche und visuelle Gestaltung, Bilder, Emotionen, Gruppendynamik und die verschiedenen Energien im Raum. Ein wirklich sehr gehaltvoller Programmpunkt.
Beeindruckend war aber vor allem, dass dieser Talk von ca. 9 Graphic Recordern live in unterschiedlichen Sprachen festgehalten wurde (!).

9 Recorder - 9 Sprachen

9 Recorder – 9 Sprachen

Camila Scramim Rigo und Victor Farat aus Sap Paulo, Brasilien übersetzten den Talk ins Portugiesische

Camila Scramim Rigo und Victor Farat aus Sao Paulo, Brasilien übersetzten den Talk ins Portugiesische

Im folgenden ging es praktisch weiter – „Getting in the Head of a Graphic Recorder“ 5 Graphic Recorder dokumentierten live 3min des selben TED-Talks und sprachen danach, was Ihnen dabei im Kopf vorging und wie sie Ihre Arbeit gestaltet haben. Auch hier war wieder Thema wie man mit dem Platz und dem Aufbau des Recordings umging – aber auch mit welcher Haltung: „Connection is more important than the picture“…

Nachmittags gab es wieder Break-out-Sessions zu verschiedenen Themen: erfahrene Graphic Recorder wie Mathias Weitbrecht gaben „Survival-Tipps“ aus der Praxis, die Beraterin Nevada Lane brachte Graphic Recording auf ein neues Level und gab eine Session zu „Beyond Live Scribing: Using Strategic Visual Thinking Tools to Create Change“. In einer weiteren Session erzählte die Trainerin & Moderatorin Ruth Nicholson von ihrer über 20-jähringen Erfahrung und sprach über „Making Meetings Matter“. Donna McGeorge brachte mit ihrem Beitrag „Write that Book, Gosh Darn-it“ Grundlagen der Buchschreibens auf den Punkt.

Sketchnoting von Nevada Lane

Sketchnoting von Nevada Lane

Ein weiterer Tag mit viel Inhalt, Gesprächen, Vernetzungen und Inspiration. Da konnte man sich abends schön gediegen auf der Line-Dance Party bei Buffalo Billards austoben!

Tag Drei: Freitag, 17. Juli
Etwas verschlafen begann dann der letzte Tag der Konferenz, denn die Nacht zuvor endete für viele Teilnehmer in verschiedenen Tanzlokalitäten Austins. Von daher war es gut, dass der Tag mit der Verlosung von Preisen aus einer kleinen konferenzinternen Lotterie begann: es gab einen 1000,- € Neulandeinkaufs-Gutschein und ein Ticket für die nächste IFVP-Konferenz in Washington, DC zu gewinnen. Letzteres gewann ausgerechnet Lynn Carruther vom IFVP-Vorstand, die eigenhändig die Konferenz in Austin organisiert hatte.

Lynn Carruthers

Lynn Carruthers

Inhaltlich ging es weiter: das Team von OGSystems lud mit kreativen Methoden zum Reflektieren über die eigene Arbeit und in einem weiteren Schritt zum Austausch darüber ein. Als Metapher wurde alles mit Weltraumsymbolik ausgeschmückt, es ging also darum, die eigene Position im Graphic Recorder-Orbit zu bestimmen. Und so entstand über die Zeit ein großes visuelles Planetensystem. Sehr professionell und interaktiv.

Der Graphic Recoding Orbit

Der Graphic Recoding Orbit

Schön gestaltetes Arbeitsblatt von OCSystems

Schön gestaltetes Arbeitsblatt von OCSystems

Vor dem Mittagessen sprach IFVP-Präsidentin Jenny Trautman zu Finanzen, Strategie und Zukunft des IFVP. Vor allem die neue Homepage wird es in Zukunft einfacher machen auch international besser gefunden zu werden.

IFVP-Präsidentin Jenny Trautman

IFVP-Präsidentin Jenny Trautman

Im letzten Teil der Konferenz hab es noch einmal Break-out-Sessions zu Themen wie „Time to Scale and Grow“ und „Hit the road running! Jumpstart your career“. Letztere wurde von Michelle Boos-Stone moderiert. Wieder mal ein Erlebnis! Wer sie noch nicht live erlebt hat, sollte es sich nicht engeren lassen: jahrelange und erfolgreiche Expertise, unglaubliche Energie und zum Teil schon „zotiger“ Humor machten diese Session unvergesslich! Wir arbeitendem mit einer tollen Vorlage die die eigene Postion und Entwicklungsmöglichkeiten deutlich herausarbeitete.

Das Arbeitsblatt von Michelle Boos-Stone

Das Arbeitsblatt von Michelle Boos-Stone

Zum Abschluss der Konferenz sprach einer der wichtigsten visuellen Denker weltweit: Dan Roam.

Dan Roam und das amerikanische Healthcare System

Dan Roam und das amerikanische Healthcare System

Er hatte mit verschiedenen Veröffentlichungen schon Bestsellerstatur erreicht, unter anderem mit seinem Buch „Auf der Serviette erklärt“. Zur Zeit arbeitet er an einem neuen Buch und gab für uns einen speziellen Vortrag: „Back of the Napkin Top 5: five unforgettable Lessons from 25 years of Drawing for Business“. Ausgehend von seiner Zusammenfassung der Health-Care-Debatte in den USA, deren Visualisierung Dan Roam Klicks in Millionenhöhe und Prime-Time Fernsehbeiträge brachte, erkläre er uns seine fünf grundlegenden Haltungen für überzeugende Visualisierungen:

  • 1. Male, als wenn die Welt davon abhängeb würde
  • 2. Wer das bessere Bild hat, wird gehört
  • 3. Beginne mit einem Kreis oder einer einfachen Form
  • 4. Lerne mit dem Stift zu führen („Lead with the eye and the mind will follow“)
  • 5. Male, male, male „when in doubt – draw it out“.
  • Der Vortrag war gespickt mit viel Praxis, Geschichte und Überraschungen. Er hatte uns sage und schreibe 170 Slides gezeigt – und keiner von uns hat auch nur einmal die Augen abgewandt. Es lag wahrscheinlich auch daran, dass er das neue Powerpoint benutzte, dass einem ermöglicht, live die Slides rein zu zeichnen! Ebenfalls ein Aha-Effekt für viele Teilnehmer_innen.
    Nach einer generellen Zusammenfassung war die Konferenz damit zu Ende und nach vielen herzlichen und aufrichtigen Abschiedsumarmungen ging es wieder zurück in die weite Welt.
    Am Abend dann aber noch eine kleine Überraschung: in einer Taco-Bar trafen wir zufällig noch die visuelle Denkerin Sunni Brown! Sie hat zusammen mit David Gray das tolle Buch „Game-Stroming“ geschrieben und 2011 den millionenfach angeklickten TED Talk „Doodlers, findet zusammen“ gehalten.
    Glücklich ging es dann nach Hause. Schon ein tolles Gefühl, Teil dieses „Tribes“ zu sein! Freue mich auf nächstes Jahr!

    Benjamin Felis

    Graphic Recording Großmeister David Sibbet und sein Schüler Benjamin Felis

    Graphic Recording Großmeister David Sibbet und sein Schüler Benjamin Felis

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